Unsere Digitalwelt ist voller Gegensätze – Denkt mal mit mir drüber nach

Wir leben heute in einer Welt der Ungereimtheiten. Gerade in der – im Moment und in Zukunft – so wichtigen Digitalwelt. Das sollte uns allen zu denken geben. Konkret meine ich Folgendes: Speicherplatz wird immer kleiner und günstiger. Was 2005 MBs waren, sind heute mindestens GBs. Eine Speicherkarte mit 128 MB wäre heutzutage ein Witz. Ich kenne Leute, die würden sagen, dass Ihr Smartphone mit weniger Speicherplatz gar keinen Sinn ergeben würde. Wohin mit all den Fotos in 10MP-Größe, den Videos in 1080p-Auflösung und der Musikbibliothek? — Auf der anderen Seite: Der Verbraucher heute ist von den Devices so verwöhnt, dass er nicht einmal wissen muss, in welchem Format seine Videos gespeichert sind und ob der Codec überall funktioniert, oder ob man das (senkrechte) Video eh nur auf dem Telefon gucken kann. Besser noch ist aber, dass ein moderner Otto-Normaluser nicht weiß, wie viele Daten dabei entstehen. — muss er auch nicht, da sein Smartphone 128 GB Speichervolumen hat!

Jetzt steht folgende Frage im Raum: Wieso dauert es so lange, meine (10MP-)Fotos zu senden?

Die Datenmenge wächst im Verhältnis zum Netzausbau unproportional. Viele Leute haben auch heute noch den 16.000er-DSL-Anschluss, wie sie ihn vor 10 Jahren hatten. Der kostet zwar nur noch 10–15 €; da passt aber auch nicht viel durch die Leitung. Ganz zu schweigen von den 300 MB Volumen einer Daten-Flatrate ohne Aufpreis. Da muss man sich ja von WLAN zu WLAN hangeln, um nicht am 3. des Monats auf GPRS-Niveau gedrosselt zu werden. Wie viel MB gehen drauf, wenn ich mir heute 5 Videoclips anschaue, die nicht auf 352 × 240 Pixel heruntergebrochen sind? (offensichtlich rhetorische Frage) — “Scott Woods* zu Facebook 2015: ‘Video! Mit drei Ausrufezeichen!’ (W&V)”. Und da haben wir über Youtube und Wachstum etc. pp. noch gar nicht geredet.

Die Transportmöglichkeiten wachsen also viel langsamer als die Güter dafür. Ok. Was mich aber im Moment mehr wurmt: Der unangepasste Datenschutz. — Um genauer zu sein, die Tatsache, dass wir 1980er Datenschutz verlangen, aber in 2015 leben. Früher war es so, dass bei der AOK ein Schrank stand, da war die Akte LL drin. Wenn man nicht neben dem Schrank saß, hatte man keinen Zugriff. Der Rest der Identität war im Portemonnaie und ebenfalls sicher (bis einem ein Dieb das Geldtäschchen stielt). Das System ist aber viel komplexer geworden. Unsere Daten (evtl. meine Daten im Speziellen) sind nicht zentral gelagert. Neben meinem Portemonnaie habe ich ein Google Wallet mit meinem Google-Konto, ein Facebook-Profil, eine Twitter-Identität, eine InstaSammlung von Fotos, ein-zwei gratis E-Mail-Postfächer… Einiges eben. Google Fit weiß wie viel und wie lange ich so herumlaufe am Tag. Endomondo postete meine Joggingrunden im Facebook. Es sind also Informationen zu meiner Person und Fitness/Gesundheit an etlichen Stellen in der Digitalwelt zu finden. Damit bin ich nicht alleine. Gerade Fitness und Daten, Wearables… Mit Nike+ gibt es eine riesige Community von Leuten, die Fitness teilen. Natürlich geschieht das freiwillig. Will aber ein Hersteller/Herausgeber einer Gesundheits-App auf den Markt, gelten rigorose Vorschriften, eben wegen der Verwendung medizinischer Daten. Diese Hürde kostet uns vielleicht Zeit und Fortschritt. Das Kuriose daran: Die Leute, die so geschützt werden, benutzen im Facebook und auf ihren Smartphones Apps ohne sich Gedanken über Hersteller und Hintergrund zu machen. Sie posten eventuell sogar jpgs, um gegen Facebooks AGB zu protestieren – im Facebook.

TL;DR — Die Leute müssen mehr über Technik lernen (müssen). Kids müssen Code schreiben. Internetstandards müssen verbessert werden. Datenschutz gehört verändert um Fortschritt möglich zu machen.

*Country Director D-A-CH bei Facebook