Die Meinungsfreiheit ist gestorben!

gavin mcinnes fired from rooster new york

In der vergangenen Woche kamen ein paar Sachen zusammen. Was mich dabei am meisten ärgert: Die Meinungsfreiheit ist gestorben. Ausschlaggebend für diese Erkenntnis war die Meldung der ADWEEK: Rooster CCO Gavin McInnes Asked to Take Leave of Absence Following transphobic Thought Catalog essay, boycott — Kerntwar seine, wie die Amis sagen, dissenting opinion – seine abweichende Meinung.

McInnes ist auch ein Gründer des Vice Magazines. Das heißt für jeden, der dieses kontroverse Magazin kennt, dass er sicher auch dann und wann einmal anders denkt. "Think different" heißt der Kult-Claim von Apple. "Beyond Tellerand" ist das Motto für Kreative. Diese drei erfolgreichen Beispiele zeigen, dass wir eigentlich auch auf der Suche nach anderen und neuen Wegen sind. Wenn nun aber eben diese abweichende Meinung nicht der Sicht der Dinge entspricht, wie sie die Leute erwarten, wird man vom Mob aus der Stadt gejagt. — So geschehen bei McInnes Artikel im Thought Catalog: Transphobia Is Perfectly Natural! 5250+ Kommentare!? Bereits zuvor schrieb McInnes den Artikel Hey, Ladies! Short Hair Is Rape, in dem es darum geht, dass Frauen mit kurz rasiertem Haar nicht das Wahre sind. Um das einmal so zu sagen und nicht den genauen – kontroversen – Inhalt wiedergeben zu müssen.

Nun fiel diese Reaktion auf den Transphobie-Artikel Kidsleepy vom Adland auf. Sein Aufruf zu einer vernünftigen Reaktion auf solche Artikel wurde genauso vom "Shitstorm" erfasst. Die Leute verstanden nicht, dass er nicht die Meinung von McInnes teilt, sondern das Recht auf eigene Meinung betonen wollte. "Gays and Lesbians were told to shut the fuck up, keep quiet, stay in the closest, hide who they are, what they think, and what they believe. Exactly the same thing that is happening to Gavin McInnes. Ironic, no?"

Passt auch auf der Straße auf, was Ihr sagt!

Nur kurz darauf habe ich einem Freund den Flyer einer Punk/Rock-Veranstaltung weitergeleitet. Als dieser die Location sah, hieß es sofort "damit kannst Du mich jagen". Näher nachgefragt stellte sich heraus, dass neben etlichen anderen Vorgaben wohl auch eine lautet, mögliche homophobe, rassistische oder sexuelle Äußerungen dem Personal zu melden. Wer etwas von der Vergangenheit weiß, den erinnert das vielleicht ein wenig an die Gestapo- oder Stasi-Methoden. Die Leute, die also für Gleichberechtigung oder Offenheit plädieren, schlagen hier über die Stränge und feinden Leute an, die sich offen äußern.

Es darf wohl nicht so weit kommen, dass wir nur noch Beiträge mit einer abgesegneten Meinung lesen oder sehen. Es darf wohl erst recht nicht so weit kommen, dass man in der Öffentlichkeit Angst haben muss, etwas offen zu sagen. Und auch, damit es wirklich jeder versteht: Hier geht es nicht um die Verharmlosung von homophoben, rassistischen oder sexistischen Äußerungen, sondern um das Recht anders zu denken. Sagt, was ihr denkt und streitet darüber!